Ethnografie

Bootsbautraditionen an Myanmars Nordwestküste


Abb. 1: Fischerboot (Hlei) am Strand von Kanthaya, Nordwestküste Myanmar. Foto: H. Pohl

Der Golf vom Bengalen - wohl kaum auf der Welt hat sich die Vielfalt der traditionellen Wasserfahrzeuge so erhalten wie in diesen Gewässern. Für Indien und Bangladesh gibt es seit Jahren vielfältige Bestrebungen der Erforschung im Bereich der maritimen Ethnografie. In Myanmar dagegen ist der momentane Stand der Änderungen im traditionellen Bootsbau weitgehend unerforscht. Doch inwiefern haben sich in diesem politisch isolierten Land Bootsbautraditionen erhalten?

Geografisch betrachtet lässt sich die Küste Myanmars in drei große Gebiete aufteilen: die nördliche Westküste zwischen Mawdin und Sittwe, die Deltaregion des Ayayawaddy und die langgestreckte südliche Westküste zwischen Mawlamyaing und dem Mergui-Archipel.



In den Jahren 2005, 2006 und 2007 konnten während 3 Forschungsreisen die Küsten von Myanmar bereist werden.

Das Ziel der Forschungsreisen war es, das traditionelle Fischereifahrzeug der burmesischen nördlichen Westküste zu dokumentieren: der geweitete und aufgeplankte Einbaum. Der Fokus liegt dabei auf der Beschreibung von Konstruktion und Verwendung der drei verschiedenen Typen dieses Fischereifahrzeuges. Eine neutrale und namensunabhängige Einteilung in MNW (Myanmar Nordwestküste) Typ A, B und C ist vorgenommen worden.



Weitere, höchst interessante Wasserfahrzeuge können hier nur überblicksartig vorgestellt werden und verdienen eine eigene Betrachtung: Thanban (Sittwe), das Patheinboat, Kat´tu (Tangkok) sowie Canoe-hlei (Inle Lake).

Hauptziel der Forschungsreise war eine Bestandsaufnahme, zusätzlich sollte aber auch versucht werden, eventuelle Veränderungen im traditionelle Bootsbau aufzuspüren.
Die angewandten Methoden bei der Untersuchung waren vor allem die Dokumentation des Jetzt-Zustandes durch Zeichnen und digitale Fotografie. Archetypen der verschiedenen Boote wurden festgelegt und eingemessen. Verschiedene Bootsbauplätze konnten besichtigt werden. Testfahrten mit ausgesuchten Wasserfahrzeugen ergaben eigene Beobachtungen zur Verwendung. Eine weitere wichtige Methode stellte das Befragen von Fischern und Bootsbauern dar. Es fanden sich immer wieder sprachgewandte einheimische Helfer, die mir wertvolle Unterstützung gaben.



Typenübersicht:

Typ MNW-A: geweiteter und aufgeplankter Einbaum mit einer Größe zwischen 6 und 14 Meter. Charakteristisch ist eine Einbaumschale mit starkem Sprung und ausgeprägter Bug und Heckplatte. Auf diese Schale werden Planken in Form eines Kastens aufgebracht.



Abb. 3: Fischerboot (Hlei) am Strand von Kanthaya. Foto: H. Pohl


Abb. 4: Fischerboot (Hlei) unter Segel am Strand von Ngapali. Foto: J. Frank



Typ MNW-B: Grundlage ist auch hier ein geweiteter Einbaum, der dann kraweel aufgeplankt wurde. Ein hoher, gerader Vorsteven bildet den Bug; der hochgezogene Stamm mit Plankenabschluss das Heck. Größe: zwischen 9 und 14 m.



Abb. 4: Typ MNW-B während des Fischens bei Ngapali. Foto: H. Pohl


Abb. 5: Weitung eines ausgehöhlten Baumstammes für den Rumpf eines MNW-B-Bootes, Ngapali. Foto: H. Pohl



Typ MNW-C: Ähnlich konstruiert wie Typ B. Unterschiede in der Größenzunahme und dem Spiegelheck. Der Einbaum wirkt hier nur noch als eine Art Kiel. Ansonsten werden diese Boote in der weltweit (europäischen) üblichen Art des Holzschiffsbaus hergestellt. Größe: 12-20 m.


Abb. 6: Typ-C Boote, Kanthaya. Foto: H. Pohl




Impressionen



Abb. 7: Abenteuer Forschung.
Foto: J. Frank



Abb. 8: Beladen eines Typ-B Bootes am Strand von Ngapali. Foto: H. Pohl

Abb. 9: die berühmten "Beinruderer" vom Inle-See, Foto: H. Pohl


Abb. 10: Bootseigner eines Typ-B Bootes am Strand von Ngapali. Foto: J. Frank

Abb. 11: Kat´tu während der Flussfahrt vor Tangkok. Foto: H. Pohl

Abb. 12: Shwedagon-Pagode in Yangon. Foto: H. Pohl



Autor: Henrik Pohl M.A.
Kontakt: henrik.pohl@gmx.de



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