Hafen von Wismar

 Unterwasserarchäologische Prospektionen im Hafen von Wismar


Als ein tiefer, fjordähnlicher Einschnitt zieht sich die Wismar Bucht bis zur Hansestadt Wismar hinein. Viele Inseln und Untiefen gestalteten die Einfahrt lang und schwierig. Dafür erwartete den Seemann ein gut geschützter Hafen.

Die Wismar Bucht kann zu Recht als eine der am besten erforschten maritimen Fundkomplexe der deutschen Ostseeküste bezeichnet werden. In den letzten Jahren konzentrierte sich die unterwasserarchäologische Forschung auch mit Hilfe des Landesverbandes für UWA-MV auf dieses Gebiet.

Neben einem EU-Projekt zur Erforschung steinzeitlicher Siedlungsplätze sind es vor allem die reichen Funde und Befunde aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit, die für Aufsehen sorgten.

Wismarer Stadtansicht von Georg Jule aus dem Jahr 1595



Es handelt sich um folgende Objekte:



  • 6 Schiffswracks vom 13. - 16. Jahrhundert

  • 2 Sperrwerken mit Baumhäusern

  • ein ausgedehnter Reedeplatz mit zahlreichen Funden

  • Kaianlagen

  • eine Sternschanze aus dem 17. Jahrhundert auf der Insel Walfisch











    6 Schiffswracks

    Die ungewöhnlich hohe Konzentration von mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Schiffswracks umfasst:
  • die bekannte Poeler Kogge von 1354 (link)
  • die Kogge von Wismar-Wendorf von 1476, die später dort vor Reede liegend gesunken ist
  • ein Klinkerschiff von 1486, das wahrscheinlich als Brander gegen das äußere Sperrwerk diente
  • Wrackteile des 15. Jh aus dem Gebiet des Reedeplatzes
  • ein Klinkerboot vor Poel aus dem 16. Jh.
  • eine Schiffssperre des 17. Jh.: bei Baggerarbeiten wurden Überreste eines Schiffes gefunden, das höchstwahrscheinlich als Schiffssperre der Hafeneinfahrt durch die Dänen 1629 dort versenkt wurde




    2 Sperrwerke mit Baumhäusern

    Aus dem Bereich des heutigen Stadthafens ist ein Sperrwerk mit Baumhaus aus historiographischen Quellen bekannt.

    Es gab aber vor dieser inneren Anlage auch ein äußeres Sperrwerk. An einer Engstelle der Wismar Bucht erstreckte sich ein Pfahlsperrwerk über mehrere hundert Meter. Am Ende der Pfahlreihe lassen Backsteinansammlungen und ein verstürztes Pfahlfeld ein ähnliches Baumhaus wie am Stadthafen vermuten.

    Diese beiden Sperranlagen sollten die Zufahrt zum Wismarer Hafen regeln und notfalls Feinde abwehren helfen.






    Reedeplatz

    Im geschützten Bereich hinter dem äußeren Sperrwerk befand sich ein Reedeplatz. Dies war ein sicherer Ort zum Be- und Entladen der im Spätmittelalter größer gewordenen Schiffe. Zahlreiche über Bord gegangene Funde aus dem 14. bis zum 18. Jahrhundert konnten unter Wasser gefunden werden. Es handelt sich in der Mehrzahl um Knochen und Keramik, aber auch Militaria, Bronzegeschirr und Werkzeuge.





    Festung Walfisch

    Die heutige Insel Walfisch am Eingang zur inneren Wismar Bucht war im 30-jährigen Krieg mit einer Festung versehen worden. Der Nachweis der heute unter Wasser liegenden Überreste dieser Schanze gelang mittels Luftbildprospektion.

    Deutlich sind eine rechteckige und eine sternförmige Pfahlsetzung zu erkennen. Die Eichenpfähle aus dem Stern konnten auf das Jahr 1644 und damit einer späteren schwedischen Ausbauphase zugeordnet werden. Plan Sternschanze

    1717 musste die Festung im Ergebnis des Nordischen Krieges geschleift werden.



Übersichtsplan der inneren Wismar Bucht




Poeler Kogge während der Bergung
Überblickszeichnung Poeler Kogge





Ausschnitt aus obiger Stadtansicht

äußeres Pfahlsperrwerk des Wismarer Hafens
(Foto: R. Obst)





Fundsituation auf dem Reedeplatz
(Foto: R. Obst)




Luftbild der Insel Walfisch
(Foto: O. Braasch)

Plan der schwedischen Inselfestung von 1645




Kaianlagen

Bei Bauarbeiten sind Pfähle zutage gekommen, die sich eindeutig einer Kaimauer im Bereich des Stadthafens zuordnen lassen. Sie datieren vom 16. bis in das 20. Jahrhundert und lassen den ständigen Erhalt dieser wichtigen Hafeneinrichtung erkennen.



Diese kurze Zusammenfassung der Ergebnisse der unterwasserarchäologischen Prospektionen in der Wismar Bucht zeigt einen ganzen Komplex von maritimen Fundplätzen auf engen Raum. Die Erforschung weiterer Elemente dieser
maritimen Kulturlandschaft ist geplant.

  • Literatur:

    Th. Förster, Schiffswracks, Hafenanlagen, Sperrwerke, in: Skyllis Heft 1, 2000,
    10-18.

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