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Einbaumfunde aus dem Salzburger Land


Abb. 1: Einbaum vom Obertrumer See, Haus der Natur Salzburg,
L: 4,92 m, Foto: H. Pohl.

Nur wenige Einbaumfunde kamen bisher in Österreich zu Tage, und noch weniger wurde bisher über die Überreste dieses so einfach anmutenden Wasserfahrzeugs veröffentlicht. Erst jüngst richteten eine ganze Reihe von vorbildlich publizierten Funden in Kärnten den Blick wieder auf die Einbäume Österreichs . So weist auch das Land Salzburg einige Einbaumfunde auf, die sich zum Teil schon seit Jahrzehnten in Depots des Salzburg Museums bzw. im Haus der Natur in Salzburg befinden. Kürzlich vorgenommene Datierungen dieser Altfunde gaben den Anstoß zur Publizierung derselben. Dabei haben der Bau und die Verwendung von Einbäumen eine lange Tradition in Salzburg und ganz Österreich.

Die ältesten Hinweise auf Wasserfahrzeuge in Österreich finden sich in der jungsteinzeitlichen Mondsee-Gruppe, deren Blütezeit in das 4. Jt. v. Chr. fällt. Unter diesen Funden befindet sich ein 9,6 cm langes Tonmodell eines Einbaums, das am Mondsee gefunden wurde. Dieses Einbaummodel wird unter der Inv. Nr. 1557 in der Studiensammlung des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien aufbewahrt. Die erhaltene Form dieses Tonmodells zeigt deutliche Ähnlichkeiten mit einem ebenfalls jungsteinzeitlichen Bootsmodell aus Marmota am Braccianosee, Italien.

Das Heimatmuseum in Braunau (Museum Herzogburg) besitzt zwei Einbaumreste. Der im Heimathaus ausgestellte Einbaum (HH Inv. 394 a) (Abb. 2) wurde 1937 im Innschotter an der Salzachmündung bei Baggerarbeiten gefunden. Das 5,50 m lange Fragment, bestehend aus dem Bugbereich und einer Bordwand mit einer erhaltenen Höhe von 0,38 m, ist bisher leider undatiert. Auffällig und wohl auch einmalig ist die Form des Bootsendes. Der wahrscheinliche Bug endet in einer Art großem Haken, der aus dem vollen Holz gearbeitet wurde. E. Neweklowsky bezeichnete die Form als "an einen Pferdekopf erinnerndes Gransel" . (Als Gransel wird bei Einbäumen der vordere Teil des Boots bezeichnet.) Dieser Haken hatte aber mehr als nur Schmuckfunktion, was die eindeutigen Abnutzungsspuren belegen, die wahrscheinlich durch daran befestigte Seile verursacht wurden. Handelt es sich vielleicht um einen "Treidelhaken" und damit um einen frühen Beleg für das Treideln an Salzach und Inn? (Als Treideln bezeichnet man das Flußaufwärts-Ziehen eines Bootes vom Ufer aus.) Oder ist es nur ein Haken zur Befestigung der Festmacherleine? Bisher ist das Treideln erst aus dem Mittelalter für die Flüsse Österreichs bekannt. Umso interessanter wäre eine sichere Datierung dieses Fundes.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die zahlreichen Flüsse Oberösterreichs und Salzburgs schon in frühester Zeit für den Warentransport genutzt wurden. Berge und nicht vorhandene Straßen erschwerten den Landtransport erheblich. Wenn dann das Problem der Rückführung der wertvollen Wasserfahrzeuge mittels Treideln gelöst wurde, stand einem regelmäßigen Warenverkehr nichts mehr im Wege. Im 17.-19. Jh. wurden während der Blütezeit des Warentransports auf den Flüssen vor allem Bretterboote, die Plätten und Zillen, benutzt.

Auf den Seen des Salzkammergutes fand der Einbaum vor allem für die Fischerei Verwendung. Diese Wasserfahrzeuge waren einfach, stabil und durch die Fischer aus vorhandenen Rohstoffen selbst herzustellen. Ein weiterer Vorteil waren die fehlenden Einbauten, die die empfindlichen Netze beschädigt hätten. Es wurden bei den späteren Fischereinbäumen des Mondsees Längen von 11-12 m bzw. 36 Schuh bevorzugt, wodurch auch bei starkem Wellengang die dritte Welle abgefangen wurde und ein sicheres Fahren und Arbeiten möglich war. Zwei bis drei Fischer konnten so mit ausreichend Platz ihrem Gewerbe nachgehen. Grundvoraussetzung waren natürlich entsprechend dimensionierte Baumstämme zur Einbaumherstellung. Diese bis zu 250 Jahre alten Tannen waren im 20. Jh. als "Schiffsbäume" nur noch sehr vereinzelt in den Bergen rund um den Mondsee vorhanden. Der letzte, traditionelle Fischereinbaum wurde in Mondsee (Oberösterreich), nicht weit von Salzburg entfernt, in den Jahren 1966/1967 gefertigt. Eine genaue Beschreibung der Herstellung dieses Einbaums stammt von W. Kunze.

Die Nutzungsformen der ausgehöhlten Baumstämme lassen sich wie folgt beschreiben: der Einbaum diente als Boot für die Fischerei, den Waren- und Personenverkehr. Ausgehöhlte Baumstämme fanden aber auch als Wassertränke, als Truhe (z.B. die Schiffertruhe im Heimathaus Braunau) oder gar als Baumsarg (wie im Kloster Mattsee ) Verwendung.

Von den sechs in Salzburg gefundenen Einbäumen befinden sich fünf in Depots des Salzburg Museums sowie einer im Haus der Natur. Die Datierungen sind zum großen Teil erst jüngst erfolgt und belegen eine Fertigung der Wasserfahrzeuge zwischen 320 BC und 1546 AD.

Eine detaillierte Vorstellung dieser Einbäume (inkl. aller Abbildungen und Fußnoten) finden sie in der Ausgabe der Archaeologia Austriaca: ArchA 90/2006, 73-86.




Übersicht:


Abb. 2 : Bug in Hakenform des Einbaums HH Inv. 394 a, Heimatmuseum Braunau.
Foto: H. Pohl, 2007.




Abb. 3: Einbaum vom Wallersee, Salzburg Museum,
L: 2,94 m, 320 BC -207 BC. Foto: H. Pohl.



Abb. 4: Einbaumfragment ABC 01, Salzburg Museum/Bürgerspital,
L: 2,33 m, 1546 AD. Foto: H. Pohl.




Abb. 5: Einbaumfragment ABC 02, Salzburg Museum/Bürgerspital,
L: 1,53 m. Foto: H. Pohl.






Abb. 6: Einbaumfragment ABC 03, Salzburg Museum/Bürgerspital,
L: 2,78 m. Foto: H. Pohl.




Abb. 7: Einbaumfragment ABC 04, Salzburg Museum/Bürgerspital,
L: 2,78 m, 1514 AD. Foto: H. Pohl.




Autor: Mag. Henrik Pohl
Kontakt: henrik.pohl@gmx.de

Erstellungsdatum: Salzburg, 18.06.2008


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