Schiffsarchäologisches Seminar


Das 13. Schiffsarchäologischen Seminar 2012 in Rostock


Vom 23.-28. Juli 2012 wurde das traditionsreiche „Schiffsarchäologische Seminar“ der Gesellschaft für Schiffsarchäologie e.V. (im Landesverband für Unterwasserarchäologie M-V) erneut durchgeführt. Ziel dieser Ausbildungsreihe ist die Vermittlung von Grundlagenwissen auf dem Gebiet der Schiffsarchäologie in Theorie und Praxis. Die Zielgruppe waren historisch interessierte Sporttaucher, Studenten und Bodendenkmalpfleger. Eine erfreuliche Anzahl von 11 Teilnehmern aus dem ganzen Bundesgebiet konnte das Seminar besuchen. Eine Anerkennung dieser Veranstaltung als Weiterbildung für ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger in M-V wurde durch das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege M-V ausgesprochen. Dieses Seminar wurde als VDST-Spezialkurs „Unterwasserarchäologie“ angeboten und durch den Abnahmeberechtigten H. Pohl brevetiert. Ermöglicht wurde dieses Seminar durch die finanzielle Unterstützung des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur M-V.




Abb. 1: Seminarteilnehmer vor dem Veranstaltungsort MS "Likedeeler", Foto: H. Pohl.



Der theoretische Teil umfasste drei Tage mit Vorlesungen und Besuchen auf einer historischen Bootswerft und dem Schifffahrtsmuseum Rostock. Inhaltlich trug die Theorie den Titel „Schiffsarchäologie im Ostseeraum“. Anhand der Betrachtung bedeutender Schiffswracks von den Anfängen bis zur Neuzeit sowie Hafenanlagen in Mecklenburg-Vorpommern soll ein Überblick über deren Geschichte und aktuelle Forschungen erlangt werden. Im zweiten Teil des Seminars wurden wichtige Untersuchungsmethoden der Unterwasserarchäologie vorgestellt. Die Palette reichte dabei von einfachen Such- und Dokumentationsmethoden für Sporttaucher bis zu neuen, hochtechnischen Lösungen der Aufgabe - Vermessen unter Wasser. Wichtige Aspekte des theoretischen Teils waren das denkmalgerechte Tauchen, das Verhalten bei Erstfunden mit Überblicksskizze und Fundmeldung sowie die aktuelle Denkmalschutzgesetzgebung.




Abb. 2: Seminarteilnehmer auf der historischen Bootswerft des Schifffahrtmuseums Rostock. Foto: H. Pohl






Abb. 3: Seminarteilnehmer auf Exkursion im Schifffahrtmuseum Rostock. Foto: H. Pohl



Vor Beginn der anspruchsvollen Tätigkeit unter Wasser, wurden die Arbeiten erst "trocken" am Strand vor der MS "Likedeeler" geübt.


Abb. 4: Seminarteilnehmer während einer Vermessungsübung am Warnowstrand. Foto: H. Pohl




Für den praktischen Teil wurden grundlegende Vermessungsmethoden von unter Wasser liegenden Schiffswracks erlernt und an zwei submarinen Fundplätzen in der Warnemünder Bucht angewendet. Es kamen Trilaterations- und Offsetvermessungen sowie Zeichenübungen mit dem Zeichenmessrahmen über und unter Wasser zur Anwendung. Bei sehr guten Wetterbedingungen konnten ein Schiffswrack und ein Teil einer vermutlich hafenbaulichen Anlage vor Rostock untersucht und dokumentiert werden. Die Tauchteams hatten die Aufgabe, die Fundstellen zu vermessen und zu zeichnen. Erstmals konnte so die Spitze der ca. 150 langen, hafenbaulichen Anlage vor Rostock/ Hohe Düne aufgemessen und im Detail dokumentiert werden.


Abb. 5: Seminarteilnehmer bei der Offset-Messung vor Hohe Düne. Foto: H. Pohl




Abb. 6: Teil der Dokumentation einer Steinkiste vor Hohe Düne. Autor: A. Starre, K. Rohrbachl



Ein Höhepunkt war die Erkundung eines Wrackfundplatzes vor Warnemünde.


Abb. 7: Seminarteilnehmer während der Messübungen an einem Schiffswrack vor Warnemünde. Foto: M. Siegel


Abb. 8: Seminarteilnehmer während der Messübungen an einem Schiffswrack vor Warnemünde. Foto: M. Siegel


Abb. 9: Seminarteilnehmer während der Messübungen an einem Schiffswrack vor Warnemünde. Foto: M. Siegel

Doch die Teilnehmer, aus mehreren Bundesländern angereist, nehmen nicht nur positive Eindrücke mit. Unbekannte haben wiederholt in das Schiffswrack des Übungsobjekts, eines etwa 100 Jahre alten Schleppers vor Warnemünde eingegriffen (siehe Pressemitteilung vom 28.07.2012).


Henrik Pohl, Martin Siegel

2012-08-07



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