X. Schiffsarchäologisches Seminar

 Das X. Schiffsarchäologisches Seminar der Universität Rostock und der Gesellschaft für Schiffsarchäologie e.V.
26.07. - 08.08.2005




Seit 1996 führt die Universität Rostock zusammen mit der Gesellschaft für Schiffsarchäologie e.V. jeden Sommer ein Schiffsarchäologisches Seminar als Blockveranstaltung durch. Ziel dieser universitären Ausbildungsreihe ist die Vermittlung von Grundlagenwissen auf dem Gebiet der Schiffsarchäologie in Theorie und Praxis. Mit dem 10. Schiffsarchäologischen Seminar beging diese Veranstaltungsreihe 2005 ein bemerkenswertes Jubiläum (Zimmermann 2005, Pohl 2002).

Angereist waren die 25 Seminarteilnehmer aus dem gesamten deutschsprachigen Raum - also auch aus Österreich und der Schweiz (Abb.2). Es waren vor allem Studenten auf der Suche nach Weiterbildungsmöglichkeiten sowie historisch interessierte Sporttaucher. Für den ambitionierten Sporttaucher ist das Schiffsarchäologisches Seminar höchst interessant, weil es sich als NAS 2 Kurs in ein dreistufiges, aufeinander aufbauendes Ausbildungsmodell des VDST und der DEGUWA eingliedert.

Insgesamt umfasste dieses Seminar 14 Tage - aufgeteilt auf zwei Praxisgruppen, der Theorievorlesung sowie einer zweitägige Exkursion. Die maritime Freizeiteinrichtung MS "Likedeeler" bot dafür den perfekten Rahmen: großzügige Seminarräume, Bootsliegeplätze, Unterkunftsmöglichkeiten, ein Strand für die Trockenübungen und vor allem die hilfsbereiten Mitarbeiter dieser Jugendeinrichtung.



Abb. 2: Dozent und Seminarteilnehmer vor dem Veranstaltungsort MS "Likedeeler". Foto: H. Pohl



Während des viertägigen Vorlesungsblocks führte Dr. R. Bockius (RGZM Mainz) mit Anspruch, Energie und Fachwissen in die Welt des "Mittel- und Nordeuropäischer Schiffbaus. Entstehung und Entwicklung aus technik- und kulturgeschichtlicher Sicht".

Der Referent gab einen Überblick über Geschichte und Entwicklung des Schiffbaus zwischen Orient und Nordeuropa innerhalb der Zeitspanne um 3000 v. Chr. bis zur Spätantike, gespiegelt an Schiffsfunden und ergänzt um ikonographische und historische Quellen. Ein Besuch des nahegelegenen Schifffahrtsmuseums Rostock vertiefte diese Erkenntnisse.

Auf Grund der Jubiläumsveranstaltung zum 10. SAS wurde eine zweitägige Exkursion an das Wikingerschiffsmuseum Roskilde/Dänemark angeboten. Dr. A. Englert konnte als Gastdozent gewonnen werden. Als fachkundiger Exkursionsführer und souveräner Segler begeisterte er alle Exkursionsteilnehmer. Höhepunkte waren die Besichtigung der Bootswerkstätten und des Wikingerschiffsmuseums sowie das Segeln mit traditionellen Rahsegelbooten (Abb.3).



Abb. 3: Gastdozent und Seminarteilnehmer während des Segelns mit einem traditionellen Rahsegelboot auf dem Roskildefjord. Foto: H. Pohl




Während des praktischen Teils des Seminars wurden in Verantwortung der Gesellschaft für Schiffsarchäologie e.V. Grundlagen der Prospektion von Schiffswracks vermittelt. Dabei wurden die Methoden zuerst theoretisch vorgestellt und anschließend während einer Übung an einem Wrackimitat am Strand begreifbar gemacht. An einem auf 10 m Wassertiefe liegenden Stahlwrack in der Warnemünder Bucht konnten die so erworbenen Fähigkeiten umgesetzt werden (Abb.4). Trilaterations- und Offsetmessung sowie das Zeichnen mit dem Zeichenmessrahmen wurden von den tauchenden Seminarteilnehmern absolviert (Abb.5). Ein ausführlicher Survey Report ist anschließend zu erstellen und bildet die Grundlage für die Zertifizierung als NAS 2 Kurs durch die DEGUWA (ausführlich in: Zimmermann 2005).




Abb. 4: Seminarteilnehmer bei der Vorbereitung des Tauchgangs. Foto: H. Pohl


Abb. 5: Seminarteilnehmer während der Vermessungsübung am Schiffswrack. Foto: H. Pohl


Das Schiffsarchäologische Seminar erlangte in den letzten Jahren einen anerkannten Status als bisher einziges universitäres Blockseminar zur Unterwasserarchäologie in Deutschland in Theorie und Praxis. Mit der Zertifizierung als NAS 2 Kurs durch die DEGUWA ist das Seminar ein äquivalenter Teil des NAS Certification Programme (Dean 1992 )geworden.

Es bildet dabei keine Konkurrenz zur Ausbildung des Archäologischen Forschungstauchers. Es geht nicht um die Ausbildung von professionellen Unterwasserarchäologen. Methodik und Zielgruppe des Seminars bzw. aller NAS-Kurse unterscheiden sich deutlich. Das Schiffsarchäologische Seminar möchte eine Plattform sein, auf der auf hohem Niveau Studenten, Sporttauchern sowie historisch Interessierten die Möglichkeit gegeben wird, Einblicke in die Welt der Schiffsarchäologie zu gewinnen. Auch wenn die Situation des Instituts für Altertumswissenschaften an der Universität Rostock unsicher erscheint, soll das Schiffsarchäologische Seminar mit einem Lehrauftrag als NAS 2 Kurs weitergeführt werden.




  • Literatur:

    Zimmermann 2005: K. Zimmermann/ H. Pohl, Das X. Schiffsarchäologische Seminar der Universität Rostock, in: Skyllis 6, Heft 1, in Vorbereitung.

    Pohl 2002: H. Pohl, Das VII. Schiffsarchäologische Seminar 2002 "Schiffe, Häfen und maritimer Kulturaustausch im Ostseeraum". Nachrichtenbl. Arbeitskr. Unterwasserarch. NAU 9, 2002, 128 ff.

    Dean 1992: M. Dean - B. Ferrari - I. Oxley - M. Redknap - K. Watson (Hrsg.), Archaeology Underwater. The NAS Guide to Principles and Practice (1992) 148 ff..

    Pohl 1999: H. Pohl, Das Schiffsarchäologische Seminar der Universität Rostock, in: Skyllis Heft 1, 1999, 64-70.

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